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Frittierfett prüfen: Polare Anteile, Grenzwerte, Messung

Frittierfett prüfen: was polare Anteile sind, welche Grenzwerte in Deutschland und Österreich gelten, wie Sie richtig messen und wann Sie wechseln.

6 Min. LesezeitAktualisiert am 24.10.2026

Frittierfett verändert sich mit jedem Einsatz. Hitze, Luftsauerstoff, Wasser und Reste aus dem Frittiergut bauen das Fett ab, bis es Geschmack und Qualität der Speisen beeinträchtigt. Verdorbenes Frittierfett gilt als nicht sicheres Lebensmittel, und Behörden in Deutschland und Österreich prüfen es regelmäßig. Dieser Ratgeber erklärt, was polare Anteile sind, welche Grenzwerte gelten, wie Sie richtig messen und wann Sie das Fett wechseln sollten. Verbindlich sind immer Ihr eigenes HACCP-Konzept und die Vorgaben Ihrer zuständigen Behörde. Dieser Text ist keine Rechtsberatung.

Was polare Anteile sind

Frisches Fett besteht fast vollständig aus Triglyceriden. Beim Frittieren entstehen durch Oxidation und Polymerisation Abbauprodukte, die polarer sind als die intakten Triglyceride. Die Deutsche Gesellschaft für Fettwissenschaft (DGF) nennt als Beispiele kurzkettige Fettsäuren, Mono- und Diglyceride, Aldehyde, Ketone und Polymere. Ihr Gesamtgehalt wird als polare Anteile bezeichnet, international als Total Polar Compounds (TPC) oder Total Polar Material (TPM). Einige dieser Stoffe tragen zum Frittieraroma bei. Mit steigendem Anteil sinkt aber der Rauchpunkt, das Fett wird zähflüssiger und neigt zum Schäumen.

Nach der DGF erlauben nur der Gehalt an polaren Anteilen und an polymeren Triglyceriden eine objektive Beurteilung der Hitzebelastung. Die Säurezahl ist dafür nicht geeignet. Als optimalen Bereich im laufenden Betrieb nennt die DGF 10 bis 18 % polare Anteile.

Grenzwerte in Deutschland und Österreich

Eine EU-weite Höchstgrenze für polare Anteile gibt es nicht. Die Länder beurteilen gebrauchtes Frittierfett nach eigenen Kriterien, und die Werte unterscheiden sich.

KriteriumDeutschlandÖsterreich
Polare Anteileüber 24 % gelten als Hinweis auf Verderb (Empfehlung der DGF)27 % polare Anteile als Hinweis auf eingetretene Veränderung (Lebensmittelbuch, Kapitel B 30)
Polymere Triglyceridewerden im Labor zusätzlich bewertetmehr als 12 % (Lebensmittelbuch, Kapitel B 30)
Sensorikstechender Geruch, ranziger, kratzender oder brenzliger Geschmack (LGL Bayern)wesentliche Mängel in Geruch oder Geschmack, beständiger zäher Schaum, blaugrauer Rauch bei 180 °C (Kapitel B 30)
Höchste Frittiertemperatur180 °C nicht überschreiten, besser 160 bis 175 °C (DGF); LGL Bayern: nicht über 175 °Cgrundsätzlich nicht über 180 °C (Kapitel B 30); WKO-Skriptum: höchstens 175 °C
Pommes frites (EU-weit)unter 175 °C (Verordnung (EU) 2017/2158, Anhang II Teil A)unter 175 °C (Verordnung (EU) 2017/2158, Anhang II Teil A)

Deutschland

Der Wert von 24 % polaren Anteilen geht auf eine Empfehlung der DGF zurück, wie Bertrand Matthäus vom Max Rubner-Institut im OFI Magazine beschreibt. Die Überwachungsbehörden beurteilen Fett nicht allein nach einer Zahl. Das LGL Bayern und das Hessische Landeslabor prüfen die Sensorik und vergleichen sie mit den Gehalten an polaren Anteilen und polymeren Triglyceriden. Verdorbene Frittierfette dürfen nicht in den Verkehr gebracht werden. Dass das kein Randthema ist, zeigen die Zahlen: Das Hessische Landeslabor stufte 2023 von 247 untersuchten Proben 28 als übernutzt und nicht mehr verzehrfähig ein. In Bayern wurden 2006 rund 19 % und 2007 rund 29 % der gebrauchten Fette beanstandet (LGL).

Österreich

Das Österreichische Lebensmittelbuch, Kapitel B 30, nennt als Hinweise auf bereits eingetretene Veränderungen unter anderem 27 % polare Anteile, mehr als 12 % polymere Triglyceride, blaugrauen Rauch bei 180 °C sowie wesentliche Mängel in Geruch oder Geschmack. Frittierfett, das für den Verzehr ungeeignet ist, macht nach dem Codex auch die damit hergestellten Speisen ungeeignet. Die AGES untersuchte in einer Schwerpunktaktion 72 Proben aus ganz Österreich. Fünf wurden beanstandet, unter anderem wegen sensorischer Mängel, Dunkelfärbung und Bodensatz.

Frittiertemperatur und Acrylamid

Hohe Temperaturen beschleunigen den Fettverderb und fördern die Bildung von Acrylamid. Die Verordnung (EU) 2017/2158 verpflichtet Lebensmittelunternehmer, die Acrylamidbildung zu minimieren. Für Betriebe auf Einzelhandelsebene, dazu zählen auch Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung, gilt Anhang II Teil A. Für frittierte Kartoffelerzeugnisse heißt das unter anderem:

  • Frittiertemperatur unter 175 °C und so niedrig wie möglich halten.
  • Öle und Fette wählen, die kürzere Frittierzeiten oder niedrigere Temperaturen erlauben.
  • Die Ölqualität durch häufiges Abschöpfen von Krümeln und Kleinteilen erhalten.
  • Farbkarten mit der optimalen Kombination aus Bräunung und niedrigem Acrylamidgehalt für das Personal aushängen.

Betriebe müssen belegen können, dass sie diese Maßnahmen anwenden. Eine Dokumentation von Frittiertemperatur und Fettqualität hilft dabei.

Richtig messen: Sensorik, Schnelltest, Labor

Sensorische Prüfung

Prüfen Sie Geruch, Geschmack, Rauch und Schaumbildung. Ein kratzender oder ranziger Geschmack, beginnender Rauch und verstärktes Schäumen sind deutliche Warnzeichen. Die DGF weist darauf hin, dass eine verstärkte Dunkelfärbung allein kein Maß für den Verderb ist.

Schnelltests und Messgeräte

Für den Betrieb gibt es Schnelltests und elektronische Messgeräte. Die DGF nennt unter anderem Farbreaktionen, Redoxtests und Verfahren über Schaumhöhe, Viskosität oder Dielektrizitätskonstante. Viele Handmessgeräte zeigen den Anteil polarer Anteile direkt in Prozent an. Laut DGF liefern Schnelltests eine grobe Orientierung, ihre Ergebnisse hängen von der Fettart ab. Sie funktionieren am besten, wenn Sie dasselbe Fett kontinuierlich verwenden. Halten Sie sich an die Herstellerangaben zur Messtemperatur und Reinigung des Sensors und messen Sie immer unter vergleichbaren Bedingungen.

Laboranalyse

Nur das Labor bestimmt polare Anteile und polymere Triglyceride genau. Eine gelegentliche Laborprobe kann helfen, Ihr Messgerät und Ihren Wechselrhythmus zu überprüfen.

Wie oft prüfen und wann wechseln

Das Merkblatt des Wetteraukreises verlangt eine tägliche Kontrolle des Frittierfetts, sensorisch oder mit einem geeigneten Testsystem, und die Dokumentation jedes Fettwechsels mit Datum. Die DGF empfiehlt, das Fett zu wechseln, bevor es verdorben ist, und den Wechselrhythmus im HACCP-Konzept festzulegen. Diese Routine hat sich bewährt:

  • Täglich vor Arbeitsbeginn Sensorik prüfen und, wenn vorhanden, polare Anteile messen.
  • Frittiertemperatur kontrollieren: Deutschland höchstens 180 °C, besser 160 bis 175 °C; Pommes frites unter 175 °C.
  • Laut DGF täglich etwa 20 bis 25 % des Fetts durch frisches Fett ersetzen und verlorenes Fett regelmäßig nachfüllen.
  • Warmes Fett durch einen hitzebeständigen Filter filtern; laut DGF verlangsamt das den Verderb um etwa 10 bis 20 %.
  • Krümel während des Betriebs häufig abschöpfen.
  • Fett spätestens wechseln, wenn Ihr eigener Grenzwert erreicht ist, mit ausreichendem Abstand zu 24 % (Deutschland) oder 27 % (Österreich).
  • Fritteuse beim Wechsel leeren und reinigen, Fettreste vollständig entfernen.
  • Jede Messung und jeden Wechsel mit Datum, Gerät, Wert, Maßnahme und Namen dokumentieren.

Dokumentation

Eine Frittierfett-Liste ist kurz und schnell geführt. Sinnvolle Spalten sind Datum, Fritteuse, Frittiertemperatur, gemessener Wert der polaren Anteile, Ergebnis der Sensorik, Maßnahme (gefiltert, nachgefüllt, gewechselt) und Name. Legen Sie in Ihrem HACCP-Konzept einen eigenen Wechselgrenzwert fest, der unter dem behördlichen Beurteilungswert liegt. So bleibt Ihnen ein Puffer für Messunsicherheiten.

Häufige Fragen

Ab wie viel Prozent polaren Anteilen ist Frittierfett verdorben?

In Deutschland gelten über 24 % polare Anteile als Hinweis auf Verderb, gestützt auf eine Empfehlung der DGF. In Österreich nennt das Lebensmittelbuch 27 % polare Anteile und mehr als 12 % polymere Triglyceride als Hinweise auf eingetretene Veränderungen. Behörden beurteilen immer auch die Sensorik.

Wie heiß darf Frittierfett werden?

Die DGF und das österreichische Lebensmittelbuch nennen 180 °C als Obergrenze, die DGF empfiehlt 160 bis 175 °C. Für Pommes frites schreibt die Verordnung (EU) 2017/2158 Temperaturen unter 175 °C vor.

Wie oft muss ich Frittierfett prüfen?

Behörden wie der Wetteraukreis verlangen eine tägliche Kontrolle, sensorisch oder mit einem Testsystem, und die Dokumentation jedes Fettwechsels. Die genaue Routine legen Sie in Ihrem HACCP-Konzept fest.

Ein digitales System wie Kernwert bündelt Ihre täglichen Eigenkontrollen: Ihr Team scannt den QR-Sticker, tippt den eigenen Namen an und trägt den Wert ein. Abweichungen werden sofort rot angezeigt und verlangen eine Korrekturmaßnahme, und die Prüfmappe für die Kontrolle steht mit einem Klick bereit.

Quellen

  1. Österreichisches Lebensmittelbuch, IV. Auflage, Codexkapitel B 30 Speisefette, Speiseöle (Abschnitt 1.7 Frittierfette)
  2. DGF: Optimal Frittieren, Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaft (2012)
  3. Matthäus, B. (Max Rubner-Institut): Deep frying regulatory update, OFI Magazine 2024
  4. Verordnung (EU) 2017/2158 zur Festlegung von Minimierungsmaßnahmen und Richtwerten für die Senkung des Acrylamidgehalts, EUR-Lex
  5. LGL Bayern: Qualität von Frittierfett
  6. LGL Bayern: Qualität von Frittierfett, Untersuchungsergebnisse 2006-2007
  7. Hessisches Landeslabor (B. Hucke): Fette und Öle, richtig Frittieren, Analytik NEWS 2024
  8. AGES: Schwerpunktaktion Frittierfette in Gebrauch (A-040-22)
  9. Wetteraukreis: Merkblatt HACCP-Konzept (2025)
  10. WKO Steiermark: Skriptum Hygiene im Gastgewerbe (Stand Juli 2025)

Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung und keine betriebsindividuelle HACCP-Analyse. Maßgeblich sind die jeweils geltenden Vorschriften und die Vorgaben Ihrer zuständigen Behörde.